Podologie – Hufbearbeitung

„Man nehme nur vom Huf, was gewachsen ist und lasse dem Pferd, was dem Pferd gehört“

-Daniel Anz

Ich mache aktuell die Ausbildung zum Hufpodologen nach F-Balance von Daniel Anz, möchte aber darauf hinweisen, dass ich die Ausbildung noch nicht komplett abgeschlossen habe. Dies wird im Juni 2026 der Fall sein.
Bis zu meinem Abschluss arbeite ich also offiziell nur in Anlehnung an die F-Balance.

Der Bereich der Hufbearbeitung faszinierte mich schon sehr lange. Die körperlichen Probleme, die meine Rentnerstute Pina Zeit ihres Lebens hatte, rührten aus diversen Fehlstellungen her, die als Fohlen und Jungpferd nicht oder schlecht korrigiert wurde. Auch zu der Zeit in meinem Besitz wurden die Hufen entsprechend der „klassischen“ Schmiedelehre bearbeitet oder versucht die Fehlstellung mit Beschläge zu korrigieren. Gebracht hat dies wenig und ich konnte mir nie erklären woran das lag.

Anfang 2024 besuchte ich einen Kurs zur Selbstbearbeitung bei Martin Bösel und lernte dort das Konzept der F-Balance von Daniel Anz kennen. Mit diesem Konzept der Hufbearbeitung haben wir es geschafft, dass Pina weitestgehend lahmfrei lief & Lebensqualität zurückerhielt, weil wir auf ihre Fehlstellung eingegangen sind und so bearbeitet haben wie der Huf es vorgab, anstatt zu versuchen sie zu korrigieren. Seit dem Kurs bearbeite ich die Hufe meiner Pferde selber und durfte schon tolle Erfolge verbuchen. So läuft auch die Stute meiner Schwester wieder weitestgehend barhuf, obwohl sie davor jahrelang nur beschlagen gut zurecht kam.

Die F-Balance stellt das was das Pferd braucht in den Vordergrund. Es geht nicht darum einen für den Menschen optisch ansprechenden Huf zu kreieren, sondern die Natur, Physiologie und Bewegungsmechanik des individuellen Pferdes mit seinen Fehlstellungen zu respektieren. Versucht man Fehlstellung des Pferdes durch Hufbearbeitung zu verändern, führt dies zwangsläufig zu Problemen im oberen Bereich des Bewegungsapparates des Pferdes.

Mein eigentliches Fachgebiet ist die Physiotherapie und mir ist bereits in meinen ersten Monaten aufgefallen, dass Kundenpferde die nach F-Balance bearbeitet wurden deutlich weniger muskuläre Verspannungen aufweisen und psychisch ausgeglichener sind, also solche die „klassisch“ bearbeitet werden, mit dem Wunsch Fußungsabläufe und Fehlstellungen zu korrigieren.

Das heißt natürlich nicht, dass jeder Schmied und Hufpfleger anderer Richtungen schlechte Arbeit leistet. Wie in jedem Bereich gibt es schwarze Schafe, aber auch viele Leute die gute Arbeit leisten. Ich habe schon viel gute und viel schlechte Arbeit sehen dürfen, unabhängig von der Lehre, die durchlaufen wurde.

Der Huf eines Pferdes ist in sich flexibel. Diese Flexibilität wird häufig noch immer nicht beachtet und jeder Huf nach Schema X, ohne auf das Pferd und seine individuellen Probleme einzugehen, bearbeitet. Ich persönlich lehne nicht flexible Beschläge daher ab, weiß aber, dass barhuf (oder Hufschuhe) nicht für jedes Pferd-Reiter-Paar der perfekte Weg ist. Daher möchte ich künftig zur Barhufpflege auch Klebebeschläge anbieten.

Entgegen der immer noch viel verbreiteten Annahme, dass Sportpferde ab einer bestimmten Klasse immer Beschlag benötigen, zeigte sich bereits bei Olympia in Tokyo sehr eindrucksvoll anhand zweier schwedischer Reiter, dass barhuf kein Erfolgsausschluss ist. Die Umstellung eines Pferdes, das jahrelang auf Eisen lief, ist nur deutlich langwieriger als die meisten Leute glauben mögen. Ich vergleiche es immer gerne mit den menschlichen Füßen. Nehme ich einem Menschen heute seine Schuhe weg, wird er die nächsten Wochen und Monate auf verschiedenen Böden auch nicht schmerzfrei laufen. Zuerst muss sich eine Hornhaut bilden, die die Sohle vor Verletzungen schützt. Ich selber habe sehr ähnliche Erfahrungen gemacht, als ich von normalen Schuhen auf größtenteils Barfußschuhe umgestiegen bin. Die ersten Tage hatte ich Muskelkater in den Fußsohle. Ein komisches Gefühl, dass aber zeigt wie wenig die Fußmuskeln zuvor beansprucht wurden.
Ähnlich ist es bei Barhufern die vorher lange Zeit Eisen trugen. Dem Pferd muss die Zeit gegeben werden, sich wieder an die vermehrten Sinneseindrücke durch seine Füße zu gewöhnen und auch eventuell auf Hufschuhe zurückgegriffen werden, wenn man viel ausreitet.